Moot 2025/2026
33rd Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot Court
Der 33. Willem C. Vis Moot Court begann für uns auf eine Weise, die gleichzeitig unscheinbar und doch irgendwie besonders war. Unser erster gemeinsamer Moment als Team fand im Heimathafen statt – ein Kennenlernen in genau dieser Konstellation, aus dem sich schnell mehr entwickelte als nur ein lockeres Treffen. Rückblickend war es der Startpunkt für eine intensive Reise, die uns nicht nur fachlich, sondern auch als Team prägen sollte.
Viel Zeit zum Ankommen blieb allerdings nicht. Schon kurz darauf begann die inhaltliche Vorbereitung: Gemeinsam mit Teams aus Passau und Erlangen nahmen wir an einer Einführungsveranstaltung bei Herrn Prof. Dr. Stephan Balthasar teil, die uns einen ersten Zugang zum Schiedsrecht und zum CISG eröffnete. Direkt im Anschluss ging es weiter nach Würzburg zum Practice of International Arbitration Workshop. Spannende Vorträge, praxisnahe Einblicke – und auf der Fahrt wurde auch noch der Fall veröffentlicht. Ein Teammitglied fasste diesen Moment zusammen mit: „Imagine waking up and having a problem.“ Treffender hätte man unseren Einstieg kaum beschreiben können.
Zurück in Bayreuth begann dann die eigentliche Arbeit. Unterstützt durch weitere Einführungen, unter anderem durch Ramona Sorgenfrei, arbeiteten wir uns Schritt für Schritt in die Materie ein. Schnell wurde klar: Unser Fall rund um die Vanilla Orchids hatte es in sich. Was zunächst wie ein klassischer internationaler Warenkauf wirkte, entwickelte sich zu einer komplexen rechtlichen und strategischen Herausforderung.
Die folgenden Wochen waren intensiv. Sehr intensiv. Lange Tage gingen oft in noch längere Nächte über – und ja, schlaflose Nächte gehörten definitiv dazu. Aber sie waren es wert. Mit jeder Überarbeitung, jeder Diskussion und jeder neuen Idee wuchsen nicht nur unsere Schriftsätze, sondern auch wir als Team enger zusammen. Aus einer Arbeitsgemeinschaft wurde nach und nach ein echtes Team – und aus Teamkolleg:innen wurden enge Freundschaften.
Die Umstellung vom klassischen Gutachtenstil hin zu einer überzeugenden, praxisorientierten Argumentation verlangte uns einiges ab. Doch mit jeder Version wurden wir sicherer – inhaltlich wie rhetorisch.
Die Abgabewoche stellte schließlich den ersten echten Härtetest dar. Manche kamen besser durch als andere, aber am Ende zählte nur eins: Der Schriftsatz war fristgerecht eingereicht. Durchatmen? Nur kurz. Denn direkt im Anschluss folgte die zweite Abgabe – und damit der Übergang in die mündliche Phase.
Also: Anzüge an.
Der Auftakt führte uns nach Düsseldorf zu unserem ersten Pre-Moot. Zum ersten Mal vor einem Tribunal stehen, argumentieren, reagieren – und dabei direkt wertvolles Feedback von Praktiker:innen erhalten. In den darauffolgenden Wochen reisten wir quer durch Deutschland, pleadeten bei zahlreichen Kanzleien und sammelten nicht nur fachliche Erfahrungen, sondern auch Einblicke in die Praxis internationaler Schiedsverfahren.
Unsere erste internationale Station führte uns nach Riga – und dort direkt bis ins Finale. Gegen die University of Cambridge anzutreten, war eine besondere Erfahrung, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Weiter ging es mit dem Gleiss Lutz Pre-Moot, den wir für uns entscheiden konnten – definitiv eines der Highlights unserer Vorbereitung. Auch in München konnten wir unser Pleading weiter verfeinern, bevor es für uns nach Lissabon ging. Dort hieß es: neben Sommer, Sonne und Pastel de Nata natürlich auch pleaden. Mit Erfolg – wir erreichten das Halbfinale und wurden zusätzlich mit dem Award für das Best Respondent Team ausgezeichnet.
Den Abschluss unserer Pre-Moot-Reise bildete Belgrad. Ein Ort, an dem neben dem Pleading auch andere Seiten des Moot-Lebens nicht zu kurz kamen. Sagen wir es so: Der Fokus lag nicht ausschließlich auf juristischen Argumenten.
Schließlich ging es nach Wien – der Höhepunkt unserer „Road to Vienna“. Dort trafen wir auf Teams aus aller Welt und konnten in unseren Pleadings gegen die Tashkent University, die Southern Methodist University, die University of Tamil Nadu und die ADA University antreten. Neben der besonderen Atmosphäre war es vor allem die Möglichkeit, unser erarbeitetes Wissen unter realen Bedingungen anzuwenden, die diese Erfahrung so einzigartig machte. Besonders gefreut haben wir uns über eine Honorable Mention für unser Claimant Memorandum.
Rückblickend war der Vis Moot für uns weit mehr als ein Wettbewerb. Es war eine intensive Lernphase, eine persönliche Herausforderung – und vor allem eine Zeit, die uns nachhaltig geprägt hat. Die Kombination aus juristischer Tiefe, internationalem Austausch und echter Teamarbeit macht den Vis Moot zu etwas ganz Besonderem.
Unser besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. Martin Schmidt-Kessel, Frau Prof. Dr. Ruth Janal, Herrn Prof. Dr. Robert Magnus sowie Herrn Prof. Dr. Ben Köhler für ihre Unterstützung. Ebenso danken wir Ramona Sorgenfrei sowie der gesamten Bayreuth Moot Court Association für ihre Begleitung. Ein ganz besonderer Dank geht außerdem an unsere Coaches Meggy Oertel und Juliane Treeck, die uns nicht nur fachlich, sondern auch persönlich durch diese Zeit begleitet haben.
Der Vis Moot war für uns mehr als nur ein Projekt – er war ein Abenteuer. And this concludes our submissions. Thank you!!